leben und schreiben - www.oliver-poetzsch.de


Meine erste Geschichte veröffentlichte ich, bevor ich richtig schreiben konnte. Mein Großvater, der beste Geschichtenerzähler der Welt, erzählte uns Enkeln immer die unglaublichen Abenteuer von der Puppe und dem Teddybär. Die beiden paddeln des Nachts, wenn alle schlafen, in der Badewanne mit Kochtöpfen herum oder springen vom Küchentisch in Kissenberge. Bei uns zu Hause habe ich dann meine eigenen Geschichten von der Puppe und dem Teddybär auf Kassetten aufgenommen und an Verwandte verschenkt. Ich war ziemlich stolz, als ich hörte, dass mein großer Cousin das Band in der Schule seinen Klassenkameraden vorgespielt hatte. Meine ersten Zuhörer! Ich gab der Kassette den schmissigen Titel „Die Kassette zum gerne hören“. Die zweite Seite ist übrigens nicht mehr so gut. Mir fiel nichts mehr ein, und ich begann die lateinischen Begriffe von Haiarten aus meinem Tierlexikon vorzulesen. Ich hoffe, ich habe in meinen Büchern nicht mehr derartige Hänger.
 



Schon in der Grundschule habe ich gerne geschrieben und Geschichten erfunden. Ich habe Witze aus Illustrierten ausgeschnitten und zu Zeitungen zusammengeklebt, mir mit meiner Mutter Gedichte ausgedacht und im Keller meiner Oma eine Geisterbahn konzipiert (die leider nie zum Einsatz kam). Mit zwölf Jahren folgte dann eine Art literarisches Schlüsselerlebnis.

Mein bester Freund Wolfgang erzählte mir im alten Wohnwagen meiner Eltern von einem Spiel aus Amerika. Es ging darin um Zwerge, Elfen und Zauberer, man dachte sich selbst Geschichten aus, die man zusammen mit anderen am Tisch nachspielte. In dem Augenblick, als ich von diesem Spiel hörte, war ich davon besessen. Dieses Spiel war praktisch für mich erfunden worden!


 

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